
Nachstehend wird der am 21.8.2026 auf Salto veröffentlichte Artikel "Neuer Putz für Feigenputz" von Valentina Huber veröffentlicht
Das Feigenputz in Gfrill war Sommerresidenz, Ferienheim, Jugendunterkunft, und zuletzt vor allem eines: leer. Jetzt zieht wieder Leben ein. Das Jugendzentrum papperlapapp feiert die Neueröffnung des Selbstversorgerhauses mit dem Ressourcenfestival.
Auf einer Wiese in Gfrill bei Salurn, neben der barocken Kapelle Maria Heimsuchung und den alten Linden, steht seit Jahrhunderten das Haus Feigenputz.
Das Bozner Jugendzentrum papperlapapp hat das Gebäude übernommen, im vergangenen Jahr grundlegend saniert und daraus ein Selbstversorgerhaus für Jugendliche und Vereine gemacht. Am ersten Septemberwochenende wird das Feigenputz offiziell eröffnet. Und dabei wird auf den Putz gehauen: mit dem dreitägigen Ressourcenfestival.
Ressourcenfestival '26
„Ein Ort, der Menschen verbindet“, so beschreibt Jan Unterhofer vom Organisationsteam des Ressourcenfestivals das neue Selbstversorgerhaus. Gemeinsam mit Franziska Seifert und Sophia und Katharina Feichter organisiert er gerade ein Festival, das vom 4. bis 6. September die Wiese von Gfrill mit Leben füllen wird, zur Eröffnung des Hauses Feigenputz. Wolfram Nothdurfter, Geschäftsführer vom papperlapapp, erklärt: „Ressourcenfestival deshalb, weil die Ressourcen vom Jugendzentrum, über die verschiedenen Personen, die mitmachen und über die Strukturen, wie das Haus selbst, genutzt und gezeigt werden“. Es soll sichtbar machen, was entstehen kann, wenn Menschen ihre Fähigkeiten und Ideen zusammenbringen. Und ein Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft schaffen, sagt Unterhofer.
Jan Unterhofer vom Organisationsteam: wünscht sich, dass vom Festival ein Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft bleibt: ein gestärktes Netzwerk.
Drei Tage lang wird die Wiese rund um das Selbstversorgerhaus zur Festivalfläche: Von Slackline, Kleidertausch, Schnitzen, Häkeln über Acro-Yoga und Qi-Gong bis hin zu Bodypainting ist für jede und jeden etwas dabei. Außerdem gibt es einen Workshop zum Thema Menstruation, Impro-Theater und Live-Karaoke. Wer bleiben möchte, kann sein Zelt auf der Wiese aufschlagen oder im Auto campen. Dabei kommen die Workshops aus ganz unterschiedlichen Ecken des papperlapapp: Eine ExPEERience-Teilnehmerin zeigt beispielsweise, wie Henna-Tattoos entstehen, eine andere gibt einen Häkel-Workshop und ein ehemaliger Mitarbeiter lädt zum Schmieden ein. „Wir wollen feiern, was das papperlapapp über die letzten Jahre und Jahrzehnte geschaffen hat.“ Unterhofers persönliches Highlight ist die Live-Musik der Newcomerbands, unter anderem die jungen Bands Lidocain und StayHighdrated, die in Gfrill für gute Stimmung sorgen werden. So wird das Festival auch ein Stück weit zu einem Querschnitt dessen, was das papperlapapp ausmacht: Musik, Natur, Kreativität und junge Menschen, die Raum bekommen, Ideen einzubringen und voneinander zu lernen. „Wir wollen feiern, was das papperlapapp über die letzten Jahre und Jahrzehnte geschaffen hat.“
Zehn Jahre ExPEERience
Das Ausbildungsprogramm des Jugendzentrums richtet sich an junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren und begleitet sie dabei, zunehmend selbst Verantwortung zu übernehmen. Bei Camps, in Hütten und Zeltlagern planen die Jugendlichen Aktivitäten, übernehmen Leitungsaufgaben und lernen, Gruppen zu begleiten.
„Verantwortung heißt, einen Überblick zu bekommen: über die Gruppe, die Umgebung, den eigenen Tellerrand“. Die Leadership-Ausbildung ist sehr vielseitig und setzt auch auf die eigene Persönlichkeit: wertvolle Fähigkeiten und Fertigkeiten, die die Jungen nicht nur für Camps, sondern auch für das ganze Leben bereichern. „Eine kleine Lebensschule“, lächelt Nothdurfter.
"Ein kleines Juwel“
Das Selbstversorgerhaus Feigenputz bietet dabei einen neuen Raum für ExPEERience. Aber es soll generell ein Ort für die Südtiroler Jugendarbeit werden.
Die Adresse des Feigenputz könnte passender kaum sein: Paradeis 1.
Inmitten von Natur und Wald soll es ein Ort werden, an dem junge Menschen rauskommen können: aus der Stadt und aus ihrem Alltag. „Das ist das Wertvolle, diese Ruhe und Abgeschiedenheit, ein bisschen weniger Ablenkung“, sagt Unterhofer. Internetempfang gibt es hier kaum.
„Wir haben das Haus angeschaut und waren schnell begeistert“, erzählt Geschäftsführer Nothdurfter. Die Lage, die große Wiese, die alten Linden – ein bisschen abgelegen, aber dennoch erreichbar. Drei Jahre ist es inzwischen her, dass das Jugendzentrum von der Möglichkeit erfahren hat. Die Diözese wollte das Gebäude erhalten und war auch erfreut darüber, dass es wieder von jungen Menschen genutzt werden kann. Sie stellte dem Jugendzentrum das Gebäude mit einem Leihvertrag für 20 Jahre zur Verfügung, verbunden mit der Auflage, es zu sanieren. Im September vergangenen Jahres begannen die Bauarbeiten.
Rund eine Million Euro hat der Umbau gekostet. Möglich gemacht wurde das Projekt durch Finanzierungen des Amts für Jugendarbeit, des Lands Südtirol, der Stiftung Südtiroler Sparkasse, der Diözese sowie weiterer Firmen und privater Unterstützer. Elektrizität und Beleuchtung wurden erneuert, das Dach gedämmt, eine Photovoltaikanlage installiert und die Heizung von Gas auf Wärmepumpe umgestellt. Im Inneren wurden die Schlafräume neu organisiert, unter dem Dach entstand ein neuer Seminarraum. Insgesamt können jetzt 25 Gäste im Feigenputz schlafen.
„Es ist ein kleines Juwel geworden.“ Aus dem langgezogenen, kalten und ungemütlichen Speiseraum wurde durch Holzboden und Beleuchtung eine neue, wärmere Atmosphäre geschaffen, erzählt Nothdurfter. Gemeinsam mit Architekt Compagnino habe man versucht, die Geschichte des Hauses mitzudenken. „Es ist relativ einfach geblieben, aber wärmer und sympathisch“, sagt Nothdurfter. Während der Bauphase sei ihm immer deutlicher geworden, was aus dem Gebäude entstehen könne: „Es ist ein kleines Juwel geworden“.
Neues Leben für ein altes Haus
Franziska Seifert war bereits einige Male beim Selbstversorgerhaus und beschreibt das große, abgelegene und verwinkelte Haus vom Keller über die alte Stube bis ins Dachgeschoss als „Zeitreise“. Man spüre, dass hinter den Räumen viele Geschichten liegen.
Es war einst die Sommerresidenz der Feigenputz, eine Adelsfamilie, die im Jahr 1680 die barocke Kapelle auf der Wiese errichten ließ. Einige Jahre später, 1688, stiftete Katharina Perpetua Feigenputz ein Benefizium. Der Ansitz ging später in kirchlichen Besitz über und war ein Ferienhaus für Familien und Jugendgruppen. Die Azione Cattolica nutzte das Feigenputz über drei Jahrzehnte lang als Selbstversorgerhaus bis eine Sanierung notwendig wurde und die finanziellen Mittel fehlten. Danach stand es sieben Jahre leer.
Nun soll das Haus wieder Teil des Ortes werden. „Wir sind mit offenen Armen begrüßt worden“, erzählt Unterhofer. Die Dorfgemeinschaft in Gfrill und Salurn freue sich auch darüber, dass das Selbstversorgerhaus wieder aktiv ist – es soll ein Ort werden, der Menschen zusammenbringt und neue Bewegung ins Dorf bringt.
Nothdurfter verbindet damit noch einen anderen Wunsch: Das Feigenputz als Ort, an dem sich junge Menschen erden können, raus aus dem Alltag und näher zu sich selbst und anderen.
„Ich glaube, das Haus wird sich mit den verschiedenen Gruppen und Projekten schnell wieder mit Leben füllen“, sagt Seifert. Mit neuen Begegnungen, Ideen und Freundschaften. Und mit jungen Menschen, die dem Feigenputz neue Geschichten geben.